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Leipzig wächst gegen den Trend


Für Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war gleich klar: "Die erfreulichen Zahlen bestätigten, dass unser Kurs richtig ist." Das Stadtoberhaupt bezog sich auf eine vom Statistischen Landesamt in Kamenz gestern vorgelegte Berechnung. Danach lebten am Jahresende 2009 in Leipzig 519300 Menschen, also 3800 mehr als Ende 2008. "Es ist sinnvoll, auf eine offene, kreative, familienfreundliche, dynamische Stadt zu setzen", kommentierte Jung. Die Pleißemetropole ist schon seit Jahren auf Wachstumskurs und hat sich von dem Nachwende-Tiefpunkt 1998 mit 437000 Einwohnern deutlich erholt.

"Das ist eine uneingeschränkt positive Entwicklung", sagte der Leipziger Wirtschaftsprofessor Ullrich Heilemann. Die Zunahme spreche "eindeutig für die hohe Attraktivität der Stadt". Zur dauerhaften Stärkung Leipzigs sei es allerdings unabdingbar, dass es mittelfristig gelinge, vor allem die top-qualifizierten Absolventen der Hochschulen zu halten. Das hänge maßgeblich von der Unternehmensentwicklung ab. "Wir werden nicht nachlassen, in Sachen Jobs und Investitionen alles zu tun, damit Leipzig weiterhin attraktiv für Familien bleibt, die zuziehen wollen beziehungsweise die schon in unserer Stadt leben", sicherte Jung zu.
Klar ist auch, dass Leipzig zu Lasten der umliegenden Kreise gewinnt. "Der Trend, in der Stadt zu arbeiten und auf dem Land zu wohnen, hat sich umgekehrt", sagte Gerhard Gey (CDU), Landrat des Landkreises Leipzig. Dort ist die Einwohnerzahl Ende 2009 auf 269800 gesunken, ein Rückgang um 2100. Er sehe allerdings die weitere Bevölkerungsentwicklung seines Landkreises etwa mit Blick auf die hohe Anziehungskraft der Seenlandschaft im Süden Leipzigs durchaus positiv.
Nordsachsens Landrat Michael Czupalla setzt auf die Karte Leipzig. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat sich unter anderem in der Wirtschaftsförderung positiv gestaltet", sagte der CDU-Politiker, der weiß, dass sein Kreis von einer wirtschaftlich starken Großstadt Leipzig profitieren kann. "Ich sehe die gesamte Region." Nötig sei für eine positive Tendenz vor allem der weitere Ausbau der Infrastruktur, sagte Czupalla. Im Landkreis Nordsachsen lebten Ende vorigen Jahres 208500 Einwohner. Das waren damit 2900 weniger als zwölf Monate zuvor.
Leipzig wuchs gegen den Landestrend. In Sachsen ging die Einwohnerzahl im vorigen Jahr von 4,193 Millionen auf 4,168 Millionen zurück. Ein ähnlich positiver Verlauf ist auch für Dresden zu verzeichnen. Die Landeshauptstadt ist im vorigen Jahr um 4100 auf 516300 Einwohner gewachsen. Leipzig ist damit aber nach wie vor die Nummer eins im Freistaat. Drittgrößte Stadt ist Chemnitz mit 242700 Einwohnern. Das ist ein Rückgang von 1200.
Experten gehen davon aus, dass der Trend zur Reurbanisierung, also zurück in die Stadt, anhalten wird. Bevölkerungsexperten schätzen, wie berichtet, dass im Jahr 2029 in Leipzig 541000 Einwohner leben werden. "Die Immobilienbranche dürfte somit ein Gewinner dieser Entwicklung sein", vermutete Wirtschaftsprofessor Heilemann.

Kai-Uwe Brandt/Ulrich Milde, LVZ vom 17.03.2010

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