NEWS (Detailansicht)

Die Wasserstadt Leipzig wird nun auch Hafenstadt


Am 20. August geht der Wasserkurs 1 in Betrieb, eine bootsgängige Verbindung vom künftigen Leipziger Stadthafen zum Cospudener See. Das vier Millionen Euro teure innerstädtische Hafenprojekt am Elstermühlgraben nimmt damit Gestalt an. Denn mit der Kanalwand ist die Außenmole des Hafens schon fertig gestellt. 

Unterdessen plant die Kommune bereits umfangreiche Grundstückskäufe am Lindenauer Hafen. Dort soll nach den Worten von Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) ein Sportboothafen mit jener Infrastruktur entstehen, für die in der City kein Platz ist – mit Werkstätten, Bootsanleger, touristischen Dienstleistungen. LVZ erläutert, worum es bei den beiden Hafenprojekten geht:

Stadthafen: An- und ablegen in der Innenstadt – so lautet das Motto des citynahen „Willkommenshafens“. Sein Becken wird nur 5000 Quadratmeter groß sein und entsteht auf einer Industriebrache (ehemals Stadtwerke, Klavierfabrikant Blüthner) am neu ausgebauten Elstermühlgraben zwischen Schreber- und Friedrich-Ebert-Straße. Einen Baubeschluss fasste der Stadtrat schon im vorigen Jahr. Die Suche nach einem Betreiber läuft, eine Ausschreibung bereitet die Stadt derzeit vor. Das Vier-Millionen-Euro-Projekt soll nach Angaben des Amtes für Stadtgrün und Gewässer in den Jahren 2011 bis 2013 verwirklicht werden und beinhaltet lediglich die Schaffung einer technischen Grundinfrastruktur (Anleger für zehn Leipzig-Boote, Plätze für 25 kleine Charter- und 40 Paddelboote, Krananlage, Strom- und Gasanschlüsse) sowie gastronomische und Informationsangebote. 

Sportboothafen Lindenau: Er entsteht auf einem in den 1930/40er-Jahren entstandenen Industriehafengelände im Westen Leipzigs, fünf Kilometer von der Innenstadt entfernt, entlang der Plautstraße und ist Leipzigs Tor nach Sachsen-Anhalt. Mit 2,5 Hektar wird er wesentlich größer als sein City- Pendant. Neben Restaurants, Cafés, Geschäften und einer Jugendherberge soll dort die gesamte technische Infrastruktur eines Hafens mit Werftbetrieb, Reparaturwerkstätten, Segelmacherei, zahlreichen Anlegeplätzen und auch Winterliegeplätzen konzentriert werden. Im vergangenen Jahr beschloss der Stadtrat zunächst, den noch fehlenden Anschluss des Lindenauer Hafens an den Karl-Heine-Kanal (siehe Stichwort unten) und damit an das Leipziger Gewässernetz herzustellen. Die Arbeiten an der 665 Meter langen Verbindung (Kosten: 8,8 Millionen Euro) beginnen nach Informationen des Amtes für Stadtgrün und Gewässer noch in diesem Jahr und werden 2013 abgeschlossen sein. Darüber hinaus erwägt die Stadtverwaltung, das gesamte Gelände des Lindenauer Hafens (rund 60 Hektar) aufzuwerten. Im August soll die Ratsversammlung daher noch über den Ankauf von Grundstücken im Wert von knapp einer Million Euro entscheiden. Einschließlich der Gestaltung der Umfeldflächen werden für die Neugestaltung des Areals 22 Millionen Euro veranschlagt. Strategisch interessant ist der Lindenauer Sportboothafen, dessen Eröffnung für 2015 vorgesehen ist, auch in puncto Anschluss Leipzigs an überregionale Wasserstraßen. Lediglich 75 Meter fehlen noch, um den Hafen an den Elster-Saale-Kanal anzudocken – dann wären elf Kilometer bis ins anhaltische Günthersdorf von Leipzig aus mit dem Boot befahrbar. Für eine Anbindung an die Saale und damit an die Nordsee fehlen dann noch mal 7,8 Kilometer Wasserweg. Klaus Staeubert 

Karl-Heine-Kanal

Vor 150 Jahren begann der Ausbau einer 24 Kilometer langen Schiffsverbindung zwischen der Weißen Elster und der Saale. Lediglich die Hälfte davon ist heute geflutet. Die Idee zum Kanalbau stammt von Karl Heine, der 1887, ein Jahr vor seinem Tod, die Fertigstellung der ersten beiden Kilometer miterlebte und nach dem ein Teil des künstlichen Flussarmes benannt wurde. Zwischen 1933 und 1943 wurden für die rege Bautätigkeit im gründerzeitlichen Leipzig umfangreiche Sand- und Kiesvorkommen in Lindenau ausgebeutet. Es entstand dadurch ein Hafenbecken. Aus Materialmangel kamen die Kanalarbeiten 1943 jedoch zum Erliegen. Auf sächsischem Territorium blieben die Hafenanlagen mit drei Speichergebäuden – der heutige Lindenauer Hafen entlang der Plautstraße – und ein gefluteter Kanal mit Dammtoren zurück. Nördlich und südlich des Lindenauer Hafens fehlen bis heute zwei Durchstiche (zum Karl-Heine- und zum Elster- Saale-Kanal). In Sachsen-Anhalt befinden sich nur ungeflutete Teile der lediglich im Rohbau fertig gestellten Kanalrinne sowie bei Wüstenneutzsch die monumentalen Reste eines begonnenen Schiffshebewerkes. Erst nach dem Ende der DDR griffen einige Leipziger die Idee einer Wasserverbindung von der Messestadt über die Saale und die Elbe zur Nordsee wieder auf und engagieren sich seitdem für die beiden Kanaldurchstiche in die Lützner und Lyoner Straße. K. S.

Zurück