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Immobiliennachfrage zieht an - Branchenverband: Eigenheim als Altersvorsorge beliebt / Leerstand bleibt Problem


Der ostdeutsche Immobilienmarkt wird nach Einschätzung des Immobilienverbands Deutschland Ost-Mitte (IVD) für Käufer immer attraktiver. Er zeichne sich nicht nur durch seine Stabilität aus. Auch das Preis-Leistungsverhältnis und der hohe energetische Sanierungsstand seien ansprechende Faktoren, meinen Experten.

LVZ vom 03.04.2010


Obwohl das Jahr 2009 für viele Branchen sehr schwierig war, zeichne sich der ostdeutsche Immobilienmarkt durch seine hohe Stabilität aus. "Vor dem gesamtwirtschaftlichen Hintergrund ist diese Entwicklung umso erfreulicher", sagt der IVD-Ost-Geschäftsführer Jens Zimmermann. Das zeige sich vor allem in der steigenden Nachfrage. "Die großen Städte werden sich dieses Jahr und auch in den kommenden Jahren sicher positiv entwickeln", schätzt der Experte. Das bestätigt auch Ingeborg Esser, Mitglied der Geschäftsleitung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW): "Die Zentren entwickeln sich sehr positiv. In einzelnen Regionen brauchen wir sogar Neubau."

Ein wichtiger Grund sei, dass verlässliche Sachwerte wie Immobilien in turbulenten Zeiten sehr gefragt sind. Statt spekulativer Geldanlagen setzten die Leute lieber auf Gebäude als Altersvorsorge. Außerdem lohne es sich derzeit besonders in Immobilien zu investieren, empfiehlt Zimmermann. Die guten Konditionen bei der Finanzierung und staatliche Förderprogramme böten hierfür eine solide Grundlage.
"Außerdem weisen ostdeutsche Immobilien einen extrem hohen energetischen Modernisierungsstand auf. 80 Prozent der Bestände sind voll- oder teilsaniert", sagt Esser. Zudem lassen Studien der Landesbausparkassen eine Wertsteigerung erwarten: Durch die wachsende Zahl von Haushalten und dem Wunsch nach immer mehr Wohnfläche liege der Bedarf an Wohnungen über der aktuellen Bautätigkeit. Im Osten sollen die Flächenansprüche um ein Viertel zunehmen. Hinzu käme, dass das Preis-Leistungsverhältnis deutlich günstiger ausfalle als im Westen.
"Dennoch müssen Immobilienbesitzer in unsanierten, weniger begehrten Lagen mit sinkenden Preisen und womöglich Leerstand rechnen", warnt Zimmermann. Denn Leerstand sei in Ostdeutschland immer noch ein größeres Problem als im Westen. Zwar nähere sich die Quote seit 2001 immer weiter an, dennoch liege sie in den neuen Bundesländern bei 6,6 Prozent, im Westen nur bei 2,7 Prozent. "Es gibt jedoch Stadtgebiete, wo Sie keinen oder nur geringen Leerstand haben. Das ist besonders bei Wohnungen der Fall, die in den 90ern erbaut oder saniert wurden", sagt IVD-Vorstandsmitglied Werner Thiemann. Hier könne es trotz der Stabilität zu Spitzenmieten von 8,50 Euro kommen. Das sei zum Beispiel in Leipzig der Fall. Hochwertige Wohnungen, insbesondere Neubauten und Erstbezüge, seien sehr gefragt.
Man solle also nicht allein wegen der Steuervorteile investieren, warnt Zimmermann. Bei jeder Kaufentscheidung sollten die drei Faktoren Lage, Funktionalität und Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Ansonsten bestehe das Risiko, auf "Schrott-Immobilien" sitzen zu bleiben. Luise Hebecker

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