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BMW fährt auf Elektro-Autos ab


"Leipzig wird unser Kompetenzzentrum für E-Mobilität in der Produktion", sagte gestern BMW-Chef Norbert Reithofer in München. Der bayerische Autobauer plant, spätestens 2015 sein erstes Großserien-Elektroauto anzubieten.
Noch bevor dieses sogenannte Megacity Vehicle auf den Markt kommt, lässt BMW eine kleine Flotte des 1ers elektrifizieren und 2011 ein Jahr lang von den Kunden testen. Dabei handelt es sich um mindestens 600 Autos. Auch der Elektro-1er, von BMW Concept ActiveE genannt, werde in Leipzig gebaut, so Reithofer. Mit dem Wagen soll die Alltagstauglichkeit der Elektroautos erprobt werden. Weitere 600 Minis hat BMW dazu bereits in Berlin und München auf die Straßen geschickt.
Das Megacity Vehicle legt den Grundstein für eine ganze Familie von Elektroautos. Für den Bau des neuen Stadtfahrzeugs wird das Leipziger Werk erweitert. Wie viel Geld BMW für seine Elektro-Offensive an dem Standort investiert und wie viele Mitarbeiter eingestellt werden, ließ Reithofer allerdings gestern weiter offen. Auch das Design des Fahrzeugs bleibt vorerst ein gut gehütetes Geheimnis. Ob die gestern in München gezeigte, futuristisch gezeichnete Studie Vision Efficient Dynamics bereits ein Fingerzeig ist, steht in den Sternen. Bei dem Sportwagen handelte es sich allerdings nicht um ein reines Elektroauto, sondern einen Hybrid mit Diesel- und Elektromotor.
Im Gegensatz zu anderen Herstellern hält sich BMW mit Prognosen zum künftigen Marktanteil von Elektroautos zurück. "Wir pushen diese Technologie", so Reithofer. Dennoch wolle er sich nicht auf Zahlen festlegen. In Studien würde für das Jahr 2020 ein Marktanteil von fünf bis 15 Prozent angegeben.
Bei der Produktion des Megacity Vehicles setzt das Unternehmen auf Carbon. Es soll das Gewicht des Autos reduzieren. Carbon ist leicht und trotzdem besonders stabil. Bislang werden daraus zum Beispiel Rennräder, Tennisschläger und Formel-1-Autos gebaut.
Das Megacity Vehicle ist für BMW von enormer Bedeutung. Schließlich geht es für den weltgrößten Premiumanbieter darum, den Trend zu neuen Antrieben nicht zu verpassen. Und darum, die Konkurrenten Daimler und Audi beim Zukunftsthema Elektrofahrzeug abzuhängen.
Vor allem Audi greift die Münchner immer stärker an. Erst in der vergangenen Woche erneuerte Audi-Chef Rupert Stadler seine Kampfansage, bis 2015 die Nummer 1 im Luxussegment zu werden. Reithofer hält dagegen: "Wir wollen auch beim Volumen der erfolgreichste Premiumhersteller bleiben." 2012 möchten die Münchener über 1,6 Millionen Fahrzeuge verkaufen, 2020 sollen es zwei Millionen sein. Dafür nimmt BMW auch das gehobene Kleinwagensegment stärker in den Blick. Dort soll es neben dem Megacity Vehicle weitere Angebote geben. ­Reithofer rechnet hier mit deutlichen Zu-wachsraten in den kommenden Jahren.
2010 will BMW aber zunächst einmal die Krise hinter sich lassen. Das Unternehmen peilt ein Absatzplus "im soliden einstelligen Prozentbereich" auf über 1,3 Millionen Fahrzeuge an, sagte Reithofer, auch der Gewinn soll steigen.
Im vergangenen Jahr büßte der Dax-Konzern beim Überschuss 36,4 Prozent im Vergleich zu 2008 ein. Der Umsatz betrug 50,7 Milliarden Euro (minus 4,7 Prozent). Weltweit lieferte der Konzern 1,29 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce aus (minus 10,4 Prozent) aus. Die Kernmarke BMW verkaufte 1,07 Millionen Fahrzeuge. Mercedes setzte 2009 rund 1,01 Millionen Autos ab, Audi 950000.


Nils Vor den Tharen, LVZ vom 18.03.2010

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